Der Rote Faden: Zur Struktur journalistischer Texte

Schreibwerkstatt

Bei allen journalistischen Textsorten sollten die 6 W vorkommen. Der Aufbau des journalistischen Texts folgt dabei in der Regel dem Prinzip der dramaturgischen Pyramide, indem er eine Steigerung vom Wichtigen zum Unwichtigen vornimmt.
Immer muss aber die Vermittlung der wesentlichen Inhalte Vorrang vor einer sklavischen Umsetzung gestalterischer Regeln haben.Besondere Bedeutung kommt dabei dem roten Faden zu, der die Lesenden durch das geschilderte Geschehen füHrt und erst am Ende des Texts wieder loslässt.
Der Aufbau eines Texts folgt den gleichen Grundregeln wie die Vermittlung anderer Inhalte. Eine Tatsache baut auf der anderen auf. Die logische Succession ist Voraussetzung dafür, dass der Inhalt überhaupt verstanden wird.
Dramaturgische Überlegungen kann der Autor dabei ebenfalls umsetzen. Allerdings darf der Text dadurch nicht so effekthascherisch werden, dass Lesende ihn für unseriös halten könnten.
Beliebt bei vielen Redaktionen sind eingestreute Fragen, die danach beantwortet werden. Diese Herangehensweise verschwendet aber einerseits Platz und wirkt andererseits mitunter belehrend oder gar herablassend. Guter Journalismus bedarf derart billiger Kunststückchen nicht.
Man sollte seine Texte möglichst phantasievoll und farbig formulieren. Eine bildhafte Sprache und Aliterationen regen die meisten Menschen zum Weiterlesen an.
Kurze Sätze ohne unnötige Verschachtelungen erleichtern das Lesen. Zitate in Wörtlicher Rede werden zwischen Sachaussagen eingestreut. Längere Zitate wechseln zwischen Wörtlicher Wiedergabe und Indirekter Rede.
Die Lernpsychologie kennt das Phänomen der „Anfangs- und Endbetonung“: Was zu Beginn eines Texts steht oder an seinem Ende, das bleibt stärker im Gedächtnis haften als der Rest. Deswegen muss der Anfang ebenso wie der Schluss besonders gut auf den Punkt kommen.
Ein aufrüttelnder Satz zu Beginn kann eine regelrechte Sog-Wirkung in den Text hinein entfalten. Ein gelungener Einstieg ist die Chance, dass der Text überhaupt gelesen wird. Mit einem packenden Zitat oder einer verblüffenden Aussage reizt ein guter Einstieg zum Weiterlesen.
Danach muss der Rote Faden die Lesenden in übertragenem Sinn „an die Hand nehmen“ und auf fesselnde Art durch den Text hindurchführen. Endet der Text dann auch noch mit einer starken Aussage oder einem anrührenden Zitat, dann kann man den Artikel als gelungen betrachten.

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2 Gedanken zu “Der Rote Faden: Zur Struktur journalistischer Texte

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