Die 6 W: Wer hat was wann wo wie warum gemacht?

Schreibwerkstatt

Die „6 W“ – oder zumindest vier davon – müssen in allen journalistischen Texten vorkommen. Der Aufbau des Texts folgt dabei in der Regel dem Prinzip der dramaturgischen Pyramide, indem er vom Wichtigsten zu zugrundeliegenden Spezialinformationen voranschreitet.
Ein Kind fragt nach dem „WER“, „WO“, „WAS“ und „WANN“. Erst mit zunehmendem Alter fragt es auch nach dem „WARUM“ und „WIE“.
Auch erwachsene Menschen erfassen – diese geistige Entwicklung reproduzierend – die Welt vom Einfachen zum Komplizierten und vom Konkreten zum Abstrakten. In dieser Reihenfolge verarbeiten auch Journalisten ihre Informationen.
Journalistische Texte beginnen mit der Beantwortung der Fragen „WER?“, „WAS?“, „WANN?“ und „WO?“. Wer ist der Veranstalter oder der Handelnde? Jeder Mensch hat einen Vor- und Nachnamen sowie meist auch eine Funktion, die hier zu nennen ist.
„Was ist geschehen? Die Antwort auf die Frage „WAS?“ gibt das Wesentliche einer Mitteilung wieder.
Wochentag und Datum decken das „Wann“ ab. Das „WO“ ist die Frage nach dem Veranstaltungsgebäude oder der Gemeinde, wo das zu berichtende Geschehen stattgefunden hat oder noch stattfindet.
Dieser Fragen-Teil steht im lead. Das ist der Kopf eines Artikels, der nicht mehr als sechs Zeilen umfassen sollte.
Im Haupttext – dem body – wird die Frage nach dem „WIE“ beantwortet, indem die näheren Umstände des betreffenden Ereignisses beschrieben werden. Das „WARUM“ schließlich geht auf die Hintergründe des jeweiligen Ereignisses ein.
Je nachdem, welche der aufgeführten Fragen wie beantwortet wird, unterscheidet man die journalistischen Textsorten. Eine Meldung beschränkt sich weitgehend auf die Beantwortung der grundlegenden W-Fragen, die auch im Lead vorkommen, während ein Bericht weitere Informationen zum „WIE“ und „Warum“ hinzufügt. Ein Interview ist die Wiedergabe mehrerer Fragen von Journalisten und der Antworten eines Gesprächspartners im Wortlaut.
Diese drei Textsorten beanspruchen weitgehende Objektivität. Was der Journalist bei der Niederschrift seines Textes denkt oder empfindet, muss außen vor bleiben. Er stellt sich ganz in den Dienst der sachlichen Berichterstattung.
Bei den übrigen Textsorten handelt es sich um eher subjektive Mitteilungsformen, die aber auch den objektiven Faktor beinhalten. Sie weisen allesamt die 6-W-Struktur auf, die der Journalist – je nach sujet – auch hier unterschiedlich ausfüllt.
Eine Rezension bewertet eine künstlerische Darbietung wie ein Theaterstück, ein Konzert oder ein Buch aus eigener Anschauung. Nach der üblichen Rahmenbeschreibung von Ort und Zeit geht sie mit einer knappen Inhalts- und Themenangabe auf das „WAS“ ein. Bei dem „WIE“ geht es um die Aufführung und die Leistungen der beteiligten Künstler.
Die Reportage ist ein Erlebnisbericht von einem Ereignis. Mit persönlichen Beobachtungen, Empfindungen und Wertungen zum „Wie“ führt der Reporter allmählich an das Wesentliche heran. Dabei wechselt die persönliche Schilderung sich immer wieder mit dem Sachteil ab, wo der Reporter Fakten und Hintergründe zum „Was“ und „Warum“ vermittelt.
Der Kommentar ist die subjektive Bewertung eines aktuellen Ereignisses. An den Anfang setzt er die Fakten anhand der W-Fragen. Anschließend erklärt der Kommentator zugespitzt und zugleich doch sachlich, wie er das findet.
Die Glosse ist die – in literarischem Stil essayistisch geschriebene – Äußerung von Gedanken zu gesellschaftlichen, politischen, sozialen oder kulturellen Entwicklungen ohne aktuellen Aufhänger. Am Ende steht eine unerwartete Pointe. Möglicherweise lüftet sie ein Geheimnis zum „Wer“, „Was“, „Wie“ oder „Warum“.
Das Feature ist eine Mischung aller dieser Formen, bei der die sachliche Darstellung eines Themas um kommentierende, glossierende oder auch literarische Elemente ergänzt wird. Diese freieste der journalistischen Textsorten ist zugleich die Schwierigste und Anfängern deshalb nicht zu empfehlen. Von größter Bedeutung ist dabei vor allem, wie der Text die Lesenden fesselt.
In allen journalistischen Textsorten spielen die 6 W eine wichtige Rolle. Überhaupt bilden sie das Rückgrat jeglicher menschlicher Kommunikation. Ohne Fragen gibt es schließlich auch keine Antworten.

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2 Gedanken zu “Die 6 W: Wer hat was wann wo wie warum gemacht?

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