#rettet2254 2015: Neues Jahr, neues Glück?

Hintergrund

Ein neues Jahr hat begonnen; aber vielen fehlt eine lieb gewonnene Gewohnheit: Seit fast einem halben Jahr strahlt das Deutschlandradio nachts nicht mehr die Telefongespräche mit seinen Hörerinnen und Hörern aus. Die Ziffernfolge „2254“ ist zum Symbol geworden für Ignoranz und mangelndes Verständnis von Demokratie.

Die Petition Rettet 2254 hatte trotz ihrer 4.327 Unterschriften keinen Erfolg. Das waren ja nur ein paar wenige Nörgler, die sich da vehement zu Wort gemeldet haben. Den meisten gefällt das neue Programm seit der Programmreform 2014 sehr gut.

Sicherlich werden die Verantwortlichen bestreiten, dass das Hörfunkprogramm „Deutschlandradio Kultur“ in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 massiv an Zuspruch verloren hat. Dass gar annähernd 100.000 Hörerinnen und Hörer dem Sender den Rücken gekehrt hätten, wird man dort als nicht bewiesene Behauptung abtun.

NMöglicherweise stimmt diese Zahl ja auch gar nicht. Und sicherlich ist auch nicht wahr, dass Ronald Pofalla in seiner Zeit als Kanleramtsminister nicht nur die NSA-Affäre für beendet erklärt hat, sondern auch die Nachtgespräche auf Deutschlandradio Kultur. Beteuern werden die Verantwortlichen hoch und heilig, dass die Absetzung der Sendung allein finanzielle Gründe hat und niemand aus der Politik nachgeholfen hat.

Das Deutschlandradio sagt immer die Wahrheit. Im Ukraine-Konflikt musste es zwar einmal eine Falschberichterstattung einräumen und den Journalisten Rolf Clement zu einer Entschuldigung drängen; aber das war nur ein versehentlicher Ausrutscher. Die russischen Flieger waren halt nicht über die Landesgrenzen europäischer Staaten hinweggeflogen, sondern nur gefährlich dicht herangekommen.

Sonst aber ist das Deutschlandradio seriös und publikumsfreundlich. Das zumindest behaupten die Verantwortlichen immer vollmundig in ihren Werbebroschüren.

Kritik kommt darin gar nicht erst vor. Woher sollte sie auch kommen?

Die Hörer hat man ja mundtot gemacht. Ein paar kleine Löcher im Flickenteppich des Berieselungsprogramms gibt es zwar noch, wo das Publikum anrufen darf; aber dort belatschern „Experten“ die Anrufenden und berieseln sie mit Musik, sodass kaum Zeit bleibt für die Anrufe.

Das Deutschlandradio ist ein hervorragender Sender. Worin er herausragt, mag jede und jeder selbst für sich beantworten.

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7 Gedanken zu “#rettet2254 2015: Neues Jahr, neues Glück?

  1. „Kritik kommt darin gar nicht erst vor. Woher sollte sie auch kommen?“
    Ja, woher sollte sie kommen, wenn es nicht mal mehr eine Opposition gibt, mit der man sich ja immer so brüstete in der BRD und die DDR anzählte, weil es in ihr kein Streikrecht gab. Nun stelle ich jedenfalls fest, dass mit der DDR die wirkungsvollste Opposition gleich mit wegfiel und nun tut man sich sogar mit anderen Meinungen schwer – siehe Pegida. Betriebe und Wohnblocks wurden zu Ruinen und dümpeln heute ebenfalls vor sich hin, die Leute waren plötzlich arbeitslos, deren Kinder – heute z. B. jedes 6. ein Hartz-IV-Kind – betäuben sich heute mit Alkohol, weil sie keine Zukunft erkennen können. Aber die Ängste dieser Menschen werden gar nicht zur Kenntnis genommen und als RECHTS und RADIKAL abgestempelt. Und so was nennt sich noch Demokratie? Das ist schlimmer, denn statt unserer Kinder deckt man sich mit ausländischen Fachkräften ein. Nun, dann soll es mal kommen, das neue Jahr. Es wird nur neu sein, kaum besser … . Ein Wunder, dass es sich nicht gleich vor dem Silvester-Höllenfeuer davon gemacht hat.
    „Das Deutschlandradio ist ein hervorragender Sender. Worin er herausragt, mag jede und jeder selbst für sich beantworten.“
    Ja, hervorragend im Käffchen kochen, Musik-CD einlegen und Beine hoch. Wie alle anderen Sender, denn wo man hinein schaltet, überall Musik und möglichst englisch. Zu einem Hörspiel gehörten jedenfalls Geist und Einfallsreichtum. Aber die bleiben heute überall auf der Strecke – angefangen beim Schulsystem.
    Na dann, die HOFFNUNG stirbt zuletzt. Ich werde mir diesen oder nächsten Montag wohl mal PEGIDA in Dresden antun.

    1. Pegida ist nicht das Richtige; das sind nur Rechte. Nicht die Ausländer sind das Problem, sondern die imperialistische Politik in ihren Herkunftsländern. Die Kriege und Bürgerkriege werden mit Waffen geführt, die oft aus Deutschland kommen. Das Geld der „Rebellen“ und ihre militärische Ausbildung kam in der Vergangenheit oft von der CIA und anderen Geheimdiensten. Pegida ist wahrscheinlich ebenso vom V-Leuten des Verfassungsschutzes durchsetzt wie zuvor der Thüringer „Heimatschutz“. Kluge Gegenwehr bedarf anderer Mittel, als sich bei Hogesa und Pegida für faschistoide Hetze missbrauchen zu lassen. Demokratie wächst von unten. Wir sind bei der Arbeit. #rettet2254 fjh

  2. Nur mal kurz ein ganz einfacher Gedanke ..

    Seit etwa 1950 sinkt das Arbeitsvolumen in Deutschland stetig. Gleichzeitig stagniert die
    Einwohnerzahl seit etwa 1995 bei ungefähr 82 Mio. Konsequenterweise besteht in dieser
    Republik zunehmend Arbeitsmangel. Durch die von der rot/grünen Koalition initiierte
    Änderung der Sozialgesetze sind keine neuen Arbeitsplätze geschaffen worden,
    sondern es wurde lediglich eine Umverteilung vorhandener Arbeit mit den beschriebenen
    Konsequenzen bewirkt. Selbst neue Arbeitsplätze im Zuge der Energiewende sind letztlich
    durch die Allgemeinheit subventioniert. Die sozialverträgliche Lösung dieser Herausforderung
    auch in Verbindung mit einem demographischen Wandel ist nicht einfach; Einfach, vieleicht
    sogar einfältig ist jedoch permanent zu beschönigen oder gegenteiliges zu verkünden.

    Vielleicht wird das neue Jahr wie einst zur Schulzeit, aber mit dem Bürger als Themen-
    setzer; Motto: Wer aufzeigt ist dran ! ( und wird in die Pflicht genommen ! )

    Das Kulturradio durch sein „Ausschweigen von 2254“ die Versetzung in die Oberstufe „Kultur“
    wegen ungenügender Beteiligung gefährdet, ist absehbar.

    MfG

    Herbie

    P.S. : Soeben gelesen: Herr Pofalla ist seit Freitag Generalbevollmächtigter für politische und
    internationale Beziehungen bei der Bahn.

  3. Spatz vom Dach: Leider klafft nach der Wiedervereinigung die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander und (nicht nur) in der ehemaligen DDR liegt vieles im argen. Ich finde, es ist längst überfällig, daß die Bürger wegen Ungerechtigkeiten auf die Straße gehen. Kein Verständnis habe ich aber, daß ausgerechnet Ausländer zu Sündenböcken abgestempelt werden. Dieses nach-unten-treten empfinde ich als widerlich.

    Herr Hanke: Ich danke Ihnen und Ihren Mitstreitern für den Einsatz zum Erhalt der Radiosendung 2254. Ich finde es ungeheuerlich, wie die Entscheidungsträger einer öffentlich-rechtlichen Radioanstalt das Anliegen Tausender Hörer so eiskalt abschlagen. Selten zuvor habe ich den Chauvinismus der Mächtigen so unmittelbar miterlebt.

    Ich wünsche allen Unterstützern von 2254 ein gutes und gesundes neues Jahr.

  4. „Am 13. Oktober 2002 hat phoenix den Internationalen Frühschoppen mit dem ursprünglichen Konzept unter dem gewohnten Titel wieder belebt. Seitdem strahlt der Ereignis- und Dokumentationskanal die Talksendung immer an Sonntagen von 12.00 bis 13.00 Uhr aus, wenn der „Presseclub“ im Ersten ausfällt.“
    Wie man liest, es geht, wenn man will – oder darf?! Zwar nur einmal in der Woche und Hörer- oder Seher-Meinungen sind auch dort nicht gefragt.
    Mit Nach-unten-treten hat das nichts zu tun: Auch hier leben Menschen, die um ihre Existrenz bangen und gar nicht erst gefragt werden. Wo kann der Bürger seine Probleme kundtun, ohne als Rechts oder Links abgetan zu werden? Und nicht auf dem Rücken der Schwächsten. Flüchtlingen, die vor Krieg und Waffen fliehen, muss man helfen. Aber wieso brauchen so viele Länder ihre Fachkräfte nicht, wofür werden sie dann ausgebildet und wie baut man Kriegsländer wieder auf ohne ihre jungen Leute und Fachkräfte. Wer hätte hier aufgebaut, wenn auch die Trümmerfrauen geflohen wären? Man sollte endlich aufhören mit den Waffenexporten und zunächst sollten diese Firmen voran Aufbauhilfe und Unterkünfte von ihren Gewinnen leisten. Aber es gilt wohl eben immer noch: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Die Sanktionen gegen Russland sind schon wieder das beste Beispiel, Sand unter den Lehm bzw. Öl in’s Feuer zu gießen. Im Gegensatz zu 1. und 2. Weltkrieg mit 21 Jahren Ruhe, waren nach dem 2. WK bis zur Wende 44 Jahre Ruhe. Und erstaunlicherweise geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Anstatt „Jeder soll seine Chance bekommen“ lernt bis jetzt jedes 6. Kind den Umgang mit Hartz-IV. Und wohin ist Griechenland geraten dank EU? In einem ehemaligen Urlaubsland aufgrund der Mentalität stürzen sich heute die Menschen aus dem Fenster, weil sie ebenfalls keine Chance mehr sehen. Andere Länder, andere Sitten, andere Mentalitäten. Von den Göttern ganz zu schweigen. Man kann diese unterschiedlichen Mentalitäten, Riten, Gebräuche eben nicht einfach zu einem Bündel schnüren. Im Gegenteil: Diese Länder sollten mit ihren Spezialitäten Handel treiben können und nicht, wie TTIP, TISA, CETA usw. anstreben, sämtliche Spezialitäten überall herstellen lassen können und die Ursprungsfirmen samt ihrer Patente amerikanischen Rechten aussetzen …

  5. …Frei nach Heinrich Heine…“ denk ich an Deutschland in der Nacht(2254!) dann bin ich um den Schlaf gebracht…“Doch für 2254 hab ich gern „gewacht“.
    Ein Hallo in die Runde; es fehlt einem eine liebgewordene Sendung und die Meinung der anderen Viertausend nächtlichen Hörer…
    Auch die hohe Qualität der Arbeit der Moderatoren fehlen sehr,Habe es immer mal wieder versucht ins neue Programm diese Kultursenders reinzukommen/reinzuhören…zu wenig und zu uninterssant um mitzumachen.Schade !Das schlimme ist nicht das der Sendeplatz von 2254 in der Nacht fehlt sondern das diese Art der Kommunikation uns genommen wurde/vorallem wie sie uns genommen wurde…das tut weh!
    Man fühlt sich so …hilflos und verarscht!

    1. Gelegentlich höre ich ja die Sendung „Im Gespräch“. Sie läuft zwei Stunden am Samstagvormittag. Allerdings gibt es dort einen Studiogast, der im Mittelpunkt des Gesprächs steht. Da zudem noch Musik eingespielt wird, kommen nur relativ wenige Hörer zu Wort. Sie müssen sehr viel Geduld aufbringen. Mir ist schon passiert, dass ich fast zwei Stunden lang in der Warteschleife darauf gewartet habe, in die Sendung geschaltet zu werden, um dann plötzlich doch ohne eine weitere Rückmeldung der Regie abgehängt zu werden. Das zeugt nicht gerade von Respekt gegenüber der Hörerschaft. Diesen Respekt erwarte ich allerdings von einem Sender, der letztlich von den Rundfunkbeiträgen seiner Hörer lebt Um diesen Respekt herzustellen, halte ich die Direktwahl der Aufsichtsgremien durch die Beitragszahler für notwendig. Das fehlt im Entwurf zum Änderungsstaatsvertrag zum ZDF-Staatsvertrag jedoch völlig. Dafür sollten wir künftig kämpfen. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist eine wichtige Säule der Demokratie. Vielfalt und Meinungsfreiheit im Ö.-R. Rundfunk bedingen auch die Beteiligung der Hörerschaft. Wer Demokratie ernst meint, muss sie auch in den Medien herstellen. Die „4. Gewalt“ bleibt ein zahnloser Papiertiger, wenn die Politik sich die Kontrolle darüber unter den Nagel reißt und sie nicht wieder aus den Krallen gibt. #rettet2254 fjh

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