3.389 Unterschriften für barrierefreie Hörerbeteiligung und Meinungsvielfalt: Übergabe am 11. September in Berlin

Petition

Die Zeichnungsfrist für die Petition „2254 – Nachtgespräche auf Deutschlandradio Kultur retten“ endete am Sonntag (7. September). In einer Pressemitteilung werden die Initiatoren der Petiion das Ergebnis aus und kündigen die Übergabe der 3.389 Unterschriften an den Intendanten Willi Steul und den Hörfunkrats-Vorsitzenden Frank Schildt an.
3.389 Menschen haben die Petition „2254 – Nachtgespräche auf Deutschlandradio Kultur retten“ unterschrieben. Damit sprechen sie sich für die Wiederaufnahme einer beliebten Diskussionssendung ins Programm des Deutschlandradios Kultur aus.
Bis zum 20. Juni 2014 konnten Hörer dort anrufen und ihre Meinung zu einem vorgegebenen Thema live in die Sendung einbringen. Statt der spannenden Debatten läuft seither sonntags bis freitags zwischen 1.05 und 2 Uhr Musik.
Die Petenten hoffen nun darauf, mit den 3.389 Unterschriften im Rücken doch noch ein Umdenken der Verantwortlichen erreichen zu können. Auf mehr als 40 Seiten Papier werden sie die ausgedruckten Petitionsbögen am Donnerstag (11. September) um 10 Uhr an den Intendanten Willi Steul und den Hörfunkrats-Vorsitzenden Frank Schildt überreichen. Neben der Wiederaufnahme der Sendung fordern die Petenten mehr Transparenz bei der Programmgestaltung und insbesondere eine Offenlegung der Entscheidungsgrundlagen.
Begründet hatten Intendant Willi Steul und Programmdirektor Andreas-Peter Weber die „Programmreform“ des Deutschlandradios mit den Ergebnissen einer Mapping-Studie vom Jahr 2012. Diese Befragung unter angeblich 4.000 Hörerinnen und Hörern halten sie jedoch trotz einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) geheim.
Die Zahl von 3.389 Unterschriften unter die Petition für „2254“ macht diese Mapping-Studie nach Auffassung der Petenten nun zur Makulatur. „Wenn so viele Leute bereit sind, mit ihrem Namen für den Erhalt der Nachtgespräche einzutreten, lässt das doch keinen Zweifel an der großen Bedeutung, die diese Diskussionen im Radio für die Hörerinnen und Hörer haben“, erklärte Mitinitiator Holger Rudolph zur Petition.
In zahlreichen Kommentaren auf der Internetseite petition.rettet2254.info und dem Blog rettet2254.wordpress.com sowie unter dem Blogbeitrag fjhmr.de/2254 haben Hörerinnen und Hörer ihrem Unmut über die Entscheidung des Deutschlandradios Luft gemacht. Vor allem beklagen sie den Stil, mit dem die Verantwortlichen beim Deutschlandradio ihre Briefe und Mails häufig mit standardisierten Textbausteinen in Werbesprache oder gar kriegerischem Jargon abgefertigt haben. Der „Flottenstrategie“ des Deutschlandradios als „höherem Ziel“ wollen sie sich nicht „unterordnen“.
„Angesichts der breit geführten Debatten über die Rundfunkgebühr und der eindeutigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts für mehr Staatsferne muss sich der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk viel stärker seiner Hörerschaft öffnen“, forderte Franz-Josef Hanke aus Marburg. Der blinde Journalist mahnt das Deutschlandradio zudem zur Einhaltung seiner Verpflichtung zur Inklusion: „2254 war barrierefreie Teilhabe im besten Sinne gerade für viele alte, behinderte und kranke Menschen in der Hörerschaft und solche, die keinen Zugang zu digitalen Medien haben. Das hat Deutschlandradio nun ohne Not abgeschafft.“
Als Vertreter der Petition wird neben den Initiatoren Conny Voester, Holger Rudolph und Franz-Josef Hanke auch Werner Koep-Kerstin in seiner Funktion als Bundesvorsitzender der Humanistischen Union (HU) an dem Termin am Donnerstag um 10 Uhr teilnehmen. Die HU hatte sich in ihrem Verbandstag am 21. Juni 2014 in Rastatt für die Unterstützung der Petition ausgesprochen.
„Uns wäre lieber gewesen, wenn das Gespräch mit den Programmverantwortlichen öffentlich hätte stattfinden können“, erklärte Mitinitiatorin Conny Voester für die Petenten. „Unser Anliegen ist neben dem Erhalt von 2254 auch generell mehr Transparenz und eine größere Bereitschaft des Rundfunks zu einem offenen Diskurs, den sich so viele Hörerinnen und Hörer wünschen.“
Wenigstens die Sitzung des Hörfunkrats im Anschluss an die Petitionsübergabe wird erstmals öffentlich sein. Sie findet am Donnerstag um 11 Uhr im Berliner Funkhaus des Deutschlandradios am Hans-Rosenthal-Platz statt. Für 10 Uhr ist im Funkhaus ein Fototermin zur Übergabe der Petition geplant. Conny Voester, Holger Rudolph, Franz-Josef Hanke

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5 Gedanken zu “3.389 Unterschriften für barrierefreie Hörerbeteiligung und Meinungsvielfalt: Übergabe am 11. September in Berlin

  1. „Für Meinungsfreiheit im Deutschlandradio Kultur“
    Es ist schon reichlich makaber, ausgerechnet von der ach so Sozialen Marktwirtschaft und Demokratie demonstriert zu bekommen, wie sich die ach so böse Diktatur lästiger, weil kritischer Stimmen entledigt hat. Aber es scheint, als stimmt auch dieses Sprichwort „Was ich selber denk‘ und tu‘, trau‘ ich andern zu“. Oder wieso hört man immer weniger kritische Berichte zu Deutschlands Politik im Radio, nach denen sich auch was ändern müsste? Wieso verhängt man im eigenen Lande keine Sanktionen beim Freihandel à la TTIP und CETA oder gegen Nahrungsmittelspekulation, Keim-Salat, versteckten Billig-Tickets, fehlenden Investitionen, Krankenkassenüberlastung wegen Arbeitsstress und Burnout schon bei Kindern!
    Aber dazu müsste man die CD raus nehmen, den Kaffee bei Seite stellen, die Beine vom Tisch nehmen und für die Gebühren der Hörer selber recherchieren und Schwachstellen aufdecken, anprangern und nicht die Menschen, die etwas ändern wollen.
    Man kann eben alt wer’n wie’ne Kuh und lernt immer noch dazu …
    Ohne DDR geht das endlich – wie lange noch?

  2. Ich bedanke mich aus dem tiefsten Innern meiner Seele für euren Versuch diese Sendung am Leben zu halten auch wenn ich weiß das unsre Hoffnung in diesen Demokratie feindlichen Zeiten nicht Erfüllt werden wird weil der Teil der Obrigkeit der für die Verschlechterung des Programms von Deutschland Radio Kultur verantwortlich ist dafür sorge trägt das unsre Hoffnung mitsamt jeglicher Bemühung die Demokratie im Rundfunk als Instanz des Volkes die sich öffentlich manifestiert bereits im Keime zu ersticken . Diese Sendung war schon lange den sogenannten mächtigen ein Dorn im Auge . Kämpft weiter vor allem im Namen All jener die sich nicht wehren können und von deren wehrlosigkeit jene mächtige profitieren wohlwissend das sich deren Mehrheit nicht an einer Petition geschweige denn an einem öffentlichen Diskurs beteiligen kann! Die geheimgehaltene Umfrage wird nie veröffentlicht weil sie ein erdachte s Konstrukt ist die der durchsetzung eines Demokratiefeindlichen Ziels dient! ich empfehle eine Klage vor dem Bundes Verfassungs Gericht! wehret den Anfängen!!!

  3. Auch von mir ein herzliches Dankeschön an die Initiatoren der Petition und an alle, die für den Erhalt dieser wunderbaren Radiosendung kämpfen.
    Ich selbst kenne 2254 noch nicht so sehr lange, habe nie angerufen und, weil ich früh aufstehen muß, diese Sendung immer als Podcast angehört.
    Als ich erfahren habe, dass 2254 eingestellt wird, fand ich das erst einmal „nur“ bedauerlich. Doch jetzt, nach über zwei Monaten ohne 2254 merke ich so richtig, wie sehr mir diese Sendung fehlt, wie wichtig sie für meine Meinungsbildung geworden ist. Gerade jetzt, in diesen unruhigen Zeiten vermisse ich die klugen, kritischen und oft unbequemen Meinungen der Anrufer, von denen ich viele zu schätzen gelernt habe, sehr.

    1. Dass das Deutschlandradio die Sendung „2254 – Nachtgespräche am Telefon“ nach Übergabe der 3.427 Unterschriften sofort wieder ins Programm aufnehmen würde zu den bisherigen Konditionen, hatte wohl niemand ernsthaft gehofft. Am enttäuschendsten fand ich das Verhalten von Frank Schildt. Zur Funktion des Hörfunkrats werde ich noch einmal einen gesonderten Kommentar verfassen. So, wie er derzeit agiert, ist er eine peinliche Nachnummer. Man könnte auch boshaft sagen: Ein Gremium zum Ab- und Einnicken! Für Spendenwillige hat Holger Rudolph eine Aktion bei Betterplace.org gestartet: https://www.betterplace.org/de/projects/21889-petition-2254-nachtgesprache-auf-deutschlandradio-kultur-retten Wir machen weiter: #rettet2254 fjh

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