Weber im Gespräch: Nachtfalter nach Sommerpause?

Aktionen, Hintergrund

Diesmal war er tatsächlich gekommen. Hörerinnen und Hörern des Deutschlandradios stand Programmdirektor Andreas-Peter Weber am Samstag (12. Juli) bei der Sendung „Im Gespräch“ Rede und Antwort. Seine angekündigte Teilnahme an der Sendung von Samstag (21. Juni) hatte er kurzfristig wieder abgesagt.
„Man kann es nicht allen recht machen.“ Mit dieser Binsenweisheit wichten Anrufer und die Moderatorin Gisela Steinhauer ebenso wie der Programmdirektor Hörerkritik beinahe beiläufig vom Tisch.
Heftig kritisiert wurde am Samstagvormittag nicht nur die Absetzung der Nachtsendung „2254“. Aauch die – oft peinliche und zeitraubende –
Doppelmoderation in der Sendung „Studio 9“ sowie die Musikauswahl und die Jingles erregten den Unmut von Hörern.
Zahlreiche weitere Veränderungen im Programm wurden von Hörern bei ihren Anrufen im Studio oder in Mails und Einträgen auf der Facebook-Seite des Deutschlandradios kritisch angesprochen. Es gab aber auch Lob für das neue Sendeschema, das zur Auseinandersetzung anrege.
Als Begründung für die Veränderung des Programmschemas nannte Weber die Notwendigkeit, „nach 20 Jahren einen kritischen Blick auf das Programm zu werfen“ und es zu justieren. Veränderung sei notwendige Voraussetzung für Kultur.
Allerdings widersprach er sich bei dieser Argumentation selbst. Kurz zuvor hatte er nämlich noch betont, dass der Deutschlandfunk seit 50 Jahren bereits sende und deswegen eingeführt sei. Da habe es das jüjngere Deutschlandradio Kultur deutlich schwerer.
Das Wort „runderneuert“ vermied Weber allerdings. Dem Werbesprech entsprungen waren aber seine Betonung des „Markenkerns“ und des „Alleinstellungsmerkmals“. Gerade dieses Alleinstellungsmerkmal hat der Sender aber mit der Sendung „2254 – Nachtgespräche am Telefon“ ohne Not aufgegeben.
Gegen „2254“ führte Weber eine Zahl ins Feld: Durchschnittlich hätten 54 Personen pro Sendung versucht, anzurufen und in die Sendung zu gelangen. Das betrachtete er offenbar als sehr wenig.
Allerdings stellt sich die Frage, wie Weber zu dieser Zahl gelangt ist. Vermutlich kann das automatische Telefonsystem alle diejenigen erfassen, die die Nummer 00800/22542254 gewählt haben und dorthin durchkommmen. Kann es aber auch Anrufe zählen, die mit der Durchsage „Diese Nummer ist zur Zeit nicht erreichbar“ abgespeist werden?
Ohnehin bleiben alle auf der Strecke, die gar nicht erst versuchen, die Nummer zu wählen, weil sie von vornherein davon ausgehen, keine Chance auf ein Durchkommen zu haben. Ebenso berücksichtigt Webers Betrachtung nicht die vielen „stillen Hörer“, die sich erst seit Bekanntwerden der Absetzung von „2254“ verstärkt zu Wort gemeldet haben und vielleicht auch immer noch schweigen.
Ein beredtes Zeugnis von der großen Betroffenheit vieler Hörerinnen und Hörer über die Streichung der Sendung gibt die Petition 2254 – Nachtgespräche im Radio retten. Fast 2.500 Unterschriften sind dort in gut drei Wochen zusammengekommen, die die Sendeleitung zur Fortführung von „2254“ auffordern. Auch der Blogeintrag „2254 muss bleiben“ vom 7. Juni 2014 zeigt mit bisher 202 Kommentaren eindrucksvoll das große Intresse an den Nachtgesprächen.
Trotzdem war eine Wiederaufnahme von „2254“ in der bisherigen Form für Weber offenbar kein Thema. Durchblicken ließ er indes, dass man während der „Sommerpause“ die „Programmreform“ noch einmal kritisch überdenken werde. Anklingen ließ er dabei Überlegungen, die Hörer samstags nachts mit einer dreistündigen Sendung unter dem Titel „Nachtfalter“ zu „überraschen“.
Wie dieser „Nachtfalter“ aussehen wird, das bliebt indes offen. Ob es überhaupt einen „Nachtfalter“ geben wird, blieb ebenso offen.
Sicher ist allerdings, dass die Sendeleitung des Deutschlandradios unter öffentlichem Druck steht. Diesen Druck können diejenigen erhöhen, die weiterhin für die Petition „rettet 2254“ werben. Noch gibt es eine Chance für Gespräche von Hörern mit den Programmverantwortlichen über die Nachtgespräche.

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2 Gedanken zu “Weber im Gespräch: Nachtfalter nach Sommerpause?

  1. Zu den von Herrn Weber genannten 54 Anrufen:
    „Diese Nummer ist zur Zeit nicht erreichbar“ hab ich auch immer gehört bei den paar Malen, wo ich einen Anruf versucht habe.
    Irgendwann lässt man es dann. Mitgezählt werden solche Versuche wohl kaum. Die zuständigen Techniker können darüber sicher
    innerhalb einer Minute Auskunft an den Chef geben, wenn er es wissen will.
    „Im Gespräch“ hat er leider nicht den Eindruck hinterlassen, dass er was wissen will. Alle guten Argumente scheinen an ihm abzuprallen.
    Da empfiehlt er „allen Schlaflosen“, sie sollten doch „Musik hören“. Das sei doch auch „ganz schön“.
    „Best Agers“ – ansonsten von der Wirtschaft umworben – schätzen diesen liebevoll sorglichen Gouvernantenton über alles…
    Großer Mächtiger König. Es gibt ein Volk. Mit vielen Stimmen. Höre uns! Wir haben Schwarzbrot beantragt und keinen Puffreis!
    „Sollen sie doch Kuchen essen!“ war schon vor über 200 Jahren keine sehr gute Empfehlung, wie man weiß.

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